Kulturen

Dämon Fallen – Wie der Dämon seinen Weg findet

Dämon Fallen – Wie der Dämon seinen Weg findet

Immer wieder beschäftig die Ursache alles Bösen Künstler und Filmemacher. Schon 1996 hat der amerikanische Fernsehregisseur in seinem Spielfilmdebut Primal Fear (Zwielicht) die Erscheinung des Bösen in den Mittelpunkt gerückt. Richard Gere spielte einen zynischen Anwalt, dem es immer egal war, ob sein Mandant schuldig war oder nicht, sondern der nur darauf bedacht war, Fälle zu übernehmen, die er als „Unschuldig“ inszenieren konnte. Aber er wurde vom Schicksal eines besseren belehrt. Als er zum erstenmal von seinem Mandanten gerührt war und zu glauben begann, daß sein Mandant, ein Priestermörder, unschuldig wäre, mußte er erkennen, daß er einem grausamen und kalkulierten Psychopathen zum Freispruch verholfen hat. Weder schwarz noch weiß war das Bild der menschlichen Existenz, das Hoblit zeichnete, sein dialogreicher Film war von tiefgründiger Melancholie durchdrungen.

Dämon ist nun visuell, ein Film ganz und gar für das Kino gemacht und hat leider nicht sein Publikum gefunden. Denzel Washington spielt den aufrichtigen Polizisten John Hobbes, der gerade einen sehr wichtigen Fall abgeschlossen hat. Ein Serienkiller konnte überführt werden und nun ist Hobbes Zeuge der Hinrichtung des Killers. Der aber verhöhnt seine Umwelt und behauptet, daß die Morde kein Ende nehmen würden. Eine neue Mordserie, die die Handschrift des Hingerichteten trägt, beunruhigt John Hobbes. Der Mörder hinterläßt auf den Opfern Buchstaben, sozusagen stellt er ihm ein Rätsel. Um so mehr Tote der Polizist vorfindet, desto näher kommt er an des Rätsels Lösung. Dabei muß er sein auf die Vernunft gegründetes Weltbild zur Seite stellen und sich mit den Anfängen der menschlichen Zivilisation und ihren Urkräften auseinandersetzen. Die im Film mit stimmigen alttestemantarischen Zitaten beschworene Urkraft des Bösen hat tatsächlich in allen Kulturen der Welt unterschiedlichste Gesichter, aber sie zielt immer nur auf das Eine: Auf das Unheil des Menschen und den Sturz der Aufrichtigen.

Die archaische Urgeschichte wurde konsequent bis ins kleinste Detail erzählt: Es wurden optisch unverbrauchte Schauplätze gewählt, städtische Orte, genauso wie unwegsame Regionen in der Natur, die aber gemeinsam daraufhin deuten, daß sie schon seit langem existieren. Der Film macht spürbar, im Herbst und Winter befindet sich der Mensch, ihm fallen wenig Worte ein und er wird geichermassen von der Landschaft wie von der Metropole verschluckt. Die kafkaese Situation ist die aller Menschen. Sie sind hineingeworfen in ihre Welt, sie tun Gutes, sie tun Schlechtes. Die meisten Menschen fühlen sich davon verfolgt, das Falsche zu tun, denn grundsätzlich sind sie gut. Manche sind aber empfänglich für die Macht, die ihnen verheißt, das Böse zu tun. Von einem zum anderen kann diese Macht weitergereicht werden und es ist dann so, daß aus einem im Grunde gutmütigen Menschen jemand mit einer fremden, zerstörerischen Sprache spricht und ihn Dinge tun läßt, die er lieber nicht getan hätte. Sehr sehenswert und hoffentlich bald wieder im Kino.